ak|weblog

Bücherwelten

Jörg Petermann fragte vor einiger Zeit, wann sich der Kauf eines Buches lohnt und etwas später stellte er ein Buch über Kreative Ideen vor. Es scheint, als ob nicht nur ich eine Schwäche für Bücher habe.

Bücher sind für mich ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags. Ich liebe meine Bücherregale und wenn ich in der Stadt einmal die Straßenbahn verpasst habe, rettet mich eine ausreichend große Buchhandlung problemlos über eine halbe Stunde Wartezeit—oder bis zur übernächsten Bahn. Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert davon, was Wörter auf Papier bewirken können.

Sachbücher lassen mich Ideen und Phänomene verstehen, von denen ich vor der Lektüre oft nichts geahnt habe. Ein hervorragendes Beispiel hierfür ist Guns, Germs, And Steel von Jared Diamond. Dieses Buch erklärt schlüssig die ungleiche Verteilung des Wohlstandes auf der Erde—ein Thema, das größer kaum sein könnte und zu dem man nicht leicht Antworten findet. Jared Diamond schafft es, dem Leser eine Vorstellung zu geben. Mit Worten auf Papier, nur durch einige wenige Illustrationen und Karten unterstützt.

Romane ziehen mich hinein in ihre Welt. Das Buch liegt auf dem Tisch, nichts als Wörter auf Papier. Doch wenn ich es aufschlage und darin lese, ist das wie das Aufsetzen der 3D-Brille im IMAX Kino: die gesamte Welt des Buches, ihre Charaktere, die Landschaft, die Stimmung bauen sich augenblicklich auf und werden nahezu real. Ein Paradebeispiel ist für mich “Der Herr der Ringe” von Tolkien, ein Buch, das ich schon drei mal gelesen habe. Es gehört für mich zu den besten Geschichten überhaupt. Im englischen Original hat es zusätzlich zu der Erzählkunst Tolkiens noch seine sprachliche Virtuosität zu bieten: Tolkien schreibt in einem Englisch, das sich für den modernen Leser “alt” anfühlt, das viele Begriffe und Wendungen enthält, die man zwar noch kennt, die aber heute nicht mehr benutzt werden, so dass man sich intuitiv in eine legendenhafte Zeit versetzt fühlt.

Wie schlicht und schön man Sprache verwenden kann!

Meine neueste Entdeckung ist Paul Graham, der nicht nur ein hervorragender “Hacker”, sondern auch ein erstklassiger Essayist ist. Age of the Essay ist ein brilliantes Beispiel. Graham benutzt eine klare, einfache Sprache, um tiefsinninge Gedanken auszudrücken. Fast liest man schon weiter, wenn man entdeckt, welch radikal wahre Aussage er gerade getroffen hat. Ein Beispiel aus What you can’t say

It’s the nature of fashion to be invisible.

Ein Paradox nur auf den ersten Blick.

Ich war so begeistert von seinen Essays, dass ich sein neues Buch Hackers & Painters bestellt habe. Die ersten beiden Essays habe ich schon genossen.

Nur Worte auf Papier. Und doch so viel mehr!

Geschrieben abends am 15. April 2005
Abgelegt unter Gedanken & Persönlich

1Jörg Petermann schrieb am 16. April 2005, 18:19 h    # 

Da hast Du mich ja glatt durchschaut! :))
Sind Bücher meine Welt? Wohl nicht allein. Aber sie geben mir eine Quelle der Inspiration und die Möglichkeit, aus der Erfahrung anderer Menschen zu lernen, ohne ihre Fehler alle noch einmal machen zu müssen.
Sie lassen mir auf der anderen Seite die Freiheit, neue Erkenntnisse mit meinem Wissen zu kombinieren und so etwas Neues daraus zu machen.

Zwei Stunden in einem guten Buchladen sind eine Offenbarung für mich. Danach fühle ich mich meist, als ob man mich mit Kreativität betankt hätte. Und nicht wenige gute Ideen und Projekt entstammen Momenten, in denen ich vorher an (m)einer “Tankstelle” war.

Ich weiß aber auch, dass dies nicht allen Menschen so geht und einige Bücher mit ganz anderen Augen sehen.

Ins Schwärmen komme ich sicher öfter. Das o.g. Buch allerdings ist in der Tat eine Schatztruhe für kreative Zeitgeister und (wirklich) jeden Euro wert.

2ak schrieb am 16. April 2005, 22:22 h    # 

Die Inspiration ist ein wichtiger Punkt. Manche Bücher treffen den richtigen Punkt in meinem Hirn und lösen Gedanken aus, die scheinbar schon lange auf den Zündfunken gewartet haben. So ging es mir z.B. mit den Essays von Paul Graham.

Dass viele Menschen mit Büchern wenig anfangen können, finde ich bedauerlich—steckt doch so viel Potential in jedem einzelnen Buch.

3Vitaly Friedman schrieb am 4. Mai 2005, 21:32 h    # 

Tatsächlich gibt es Bücher, die einen plötzlich zum Nachdenken anregen und eine Gedankenkette auflösen, die man nicht mal zu erwarten wagt… Früher haben die Bücher von Edgard Allan Poe die Rolle der “Auflöser” in meinem Hirn gespielt. Heutzutage gelingt es mir manchmal, im Park die Muse zu finden – dabei muss man nur hartnäckig genug die Natur zu beobachten…

Was ich aber noch unbedingt loswerden möchte: Andreas, gibt es das Buch irgendwo in der deutschen Fassung zu kaufen? Auch Amazon hat mir leider nicht weiterhelfen können. Ich wäre für jeden Hinweis dankbar!

4ak schrieb am 6. Mai 2005, 08:46 h    # 

Vitaly, “Hackers & Painters” ist gerade erst auf Englisch erschienen, so dass es sicher noch eine Weile dauern wird, bis eine Übersetzung herauskommt, falls es überhaupt auf Deutsch erscheint.

Graham schreibt aber einen sehr gut verständlichen Stil. Du kannst ja mal auf seiner Site probelesen.