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Mittwoch, 01. August 2007

Why isn’t it done yet?

What are you working on and why isn’t it done yet? You may have great reason, but it’s still a great question to ask from time to time. What’s holding things up?

Bei Signal vs. Noise stellt Jason Fried diese simple Frage und betont, wie nützlich sie sein kann. Ständig arbeitet man an Aufgaben, von denen manche irgendwie nicht fertig werden — warum eigentlich nicht?

Es gibt sicherlich viele verschiedene Antworten. Aber einige sind doch typisch und tauchen immer wieder auf.

Kleinigkeiten später ↔ Kleinigkeiten sofort — Seit ich losen Kontakt zu den Ideen von ‚Getting Things Done‘ (GTD) hatte, ist mir ein Aufschubgrund aufgefallen, den ich vorher nicht bewusst wahrgenommen hatte: viele Leute neigen anscheinend dazu, Kleinigkeiten auf einen unsortierten Stapel zu legen. Dieser wächst und irgendwann ist das Abarbeiten ziemlich anstrengend und aus den Kleinigkeiten ist ein großer Aufgabenberg geworden. „Getting Things Done“ hat daher einen nützlichen Grundsatz:

Wenn eine Aufgabe in zwei (oder auch fünf) Minuten zu bearbeiten ist, erledige sie sofort.

Egal was man gerade tut, eine so kurze Unterbrechung ist meist kein Problem und schafft etwas aus dem Weg, was sonst den Berg von Kleinigkeiten weiter vergrößern würde.

Die Aufgabe als Projekt — Auch wieder inspiriert von GTD: manche Aufgaben werden nicht erledigt, weil sie komplexer sind als man sich eingesteht. Man hat sich vielleicht einen einzelnen Punkt auf der To-Do Liste notiert, der da schon seit Tagen unerledigt rumhängt. Bei näherem Hinsehen wird klar, dass dieser einzelne Punkt in Wirklichkeit aus vier, fünf Teilpunkten besteht (und in der GTD Sprache ein „Projekt“ ist). Man hat das vielleicht irgendwie wahrgenommen, aber nicht bewusst so gedacht. Wenn man die einzelnen Aufgaben trennt und strukturiert, geht das Abarbeiten oft zügiger von der Hand.

Struktur für wiederkehrende Aufgaben — Viele meiner Aufgaben sind umfangreich und kommen regelmäßig wieder, z.B. die Korrektur von Klassenarbeiten oder die Vorbereitung von Unterricht. Wenn so etwas mit einem „Lieber-Erst-Später-Gefühl“ einhergeht, dann hat man möglicherweise noch nicht die richtige Herangehensweise etabliert. Man mogelt sich jedesmal durch die Aufgabe durch. Es kann sehr produktiv sein, zunächst die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um diese Aufgaben künftig einheitlich und geordnet zu erledigen (z.B. ein Raster für die Erstellung und Korrektur der Klassenarbeiten oder ein Vorlagendokument für die Unterrichtsvorbereitung).

Weniger Aufgaben — Viele Dinge bleiben liegen, weil man keine Zeit für sie hat. Nun kann man sicherlich gerade im Beruf die Aufgabenfülle nicht einfach beliebig reduzieren. Doch manche Aufgaben sind auch selbst gemacht. Man hat vielleicht drei Zeitschriften abonniert, deren Themen allesamt sehr interessant sind. Jeden Monat kommen sie ins Haus und verlangen nun, gelesen zu werden. Der ungelesene Stapel wird immer höher und der „Druck“ steigt. Wenn dieses „Abarbeiten“ zum „Druck“ wird und man sich überlegen muss, wann man die (als freizeitliche Erholung gedachte) Lektüre noch „erledigen“ könnte, ist der Rotstift angesagt. Zwei Zeitschriten weniger spart Zeit, Geld und macht zufriedener. Die Informationsflut ist als Ganzes ohnehin nicht zu bewältigen, da kommt es auf ein paar Byte Information mehr oder weniger nicht an.

Schweinehund — Für manche Aufgaben ist die Erklärung des Aufschubs ganz einfach: man hat keine Lust dazu. Für diesen Fall hilft wohl nur Überwindung und ein kräftiger Selbsttritt an die richtige Stelle :-).

Donnerstag, 17. Mai 2007

Getting Things Done mit dem Mac

In meinem letzten Beitrag über ein Getting Things Done System, das sich auf das Wesentliche konzentriert, hatte ich erwähnt, dass für mich persönlich ein flexibles und leistungsfähiges Computer- (sprich: Mac-) Programm essentiell ist. Ich habe ausführlich nach Programmen gesucht und für den Mac vier Anwendungen gefunden, die ich näher getestet habe.

Ghostaction

Ghostaction ist ein sehr schlichtes aber funktionales GTD-Programm für den Mac: es bietet drei verschiedene Ansichten: Contexts, Projects und Actions. Die ersten beiden sind innerhalb von GTD selbsterklärend, Actions listet alle Aufgaben ungefiltet auf. Ghostaction lässt sich leicht und unkompliziert bedienen (der Kalender zum einfachen Festlegen von Deadlines ist sehr praktisch) und hat eine übersichtliche Benutzeroberfläche.

Die „brushed metal“ Optik sieht inzwischen etwas angestaubt aus, aber das muss bei einem funktionalen Programm nicht stören.

Weitere nützliche Funktionen sind die Synchronisation mit iCal und per iSync auf geeignete Mobilgeräte sowie die ausgefeilte Druckfunktion. Außerdem kann man die Aufgaben nach mehreren Spalten gleichzeitig sortieren.

Ghostaction ist ein GTD Programm, das sich auf das Wesentliche reduziert — und das dann solide erledigt. Mir persönlich war Ghostaction aber nicht flexibel genug, außerdem fehlen einige Funktionen, die ich nützlich finde: z.B. kann man nur sehr begrenzt Notizen für eine Aufgabe eingeben. Da Ghostaction $20 kostet, habe ich es beim Test bewenden lassen.

Actiontastic

Actiontastic ist prinzipiell genauso aufgebaut wie Ghostaction und bietet auch einen ähnlichen Funktionsumfang. Das Programm ist seit kurzem kostenlos. Die Notizfunktion ist etwas besser als bei Ghostaction, allerdings fehlt der Kalender zur raschen Eingabe von Daten. Da man beim manuellen Tippen eines Datums nicht das in Deutschland übliche TT.MM.JJJJ Format verwenden kann, ist das schon mal eine ziemlich Hürde bei der Benutzung.

Was mir ebenfalls fehlt, ist die Sortierung von Listen nach mehreren Spalten, z.B. (1) nach Kontext und (2) nach Fälligkeitsdatum. Ohne diese Möglichkeit ist die Listendarstellung oft recht konfus und unübersichtlich. Auch eine Druckfunktion gibt es nicht, womit Actiontastic für mich aus dem Rennen war.

Zwar bietet es ebenfalls Synchronisierung mit iCal und mobilen Geräten, doch alles in allem war den Funktionsumfang für mich nicht ausreichend.

Inbox

Umso gespannter war ich auf Inbox — dieses Programm sieht schon in den Screenshots auf der Produktwebsite sehr vielversprechend aus. Das Design und die Typographie sind sehr ansprechend und bezüglich der Funktionen hat Inbox einiges mehr zu bieten als Ghostaction und Actiontastic. Zwar war ich überrascht über den recht hohen Preis von $35, doch wenn ein Programm richtig gut ist und ich es täglich benutze, wäre mir das diesen Preis wert.

Inbox orientiert sich von allen GTD Programmen am engsten an David Allens Konzept. Die Sidebar von Inbox ist entsprechend der fünf GTD Schritte organisiert: Collect, Process, Organize, Review, Work (plus Reference als Ablage). Und da liegt für mich dann schon wieder ein erheblicher Nachteil: es ist ziemlich aufwändig, sich mit Inbox zu organisieren. Mit schien es fast unmöglich, einfach nur eine simple To-Do Liste zu erstellen. Eingaben laufen nur über die Inbox, diese muss man dann bearbeiten, was auch einige Teilschritte und ein „Processing panel“ umfasst — insgesamt ziemlich viel Klickerei. Für ein Programm, das mir helfen möchte, meine Arbeit zu organisieren, hält mich Inbox ziemlich lange von der Arbeit ab (das ist zumindest mein Eindruck).

Zwar bin ich immer noch begeistert von der „Schönheit“ des Programms — es ist wirklich eine Augenweide. Doch $35 und die genannten Nachteile haben auch Inbox aus dem Rennen geworfen.

iGTD

Glücklicherweise bin ich dann doch noch auf ein Programm gestoßen, das mich inzwischen rundum überzeugt: iGTD, das von Bartek Bargiel quasi als Hobby und kostenlos entwickelt wird.

Bartek, mit dem ich inzwischen regelmäßig Ideen für die Weiterentwicklung von iGTD austausche, legt ein unglaubliches Tempo bei der Umsetzung von Features vor, so dass iGTD in den letzten Wochen enorm viele nützliche Funktionen dazu gewonnen hat. Für mich sind die wichtigsten Punkte:

  • Sowohl Projekte als auch Kontexte können verschachtelt werden, d.h. ein Projekt kann mehrere „Unterprojekte“, ein Kontext mehre „Unterkontexte“ haben.
  • Die Sortierung der Aufgaben kann nach mehreren Kriterien oder auch von Hand per Drag & Drop bzw. mit der Tastatur erfolgen.
  • Die Bedienung mit der Tastatur ist sehr ausgefeilt.
  • Jede Aufgabe hat ein Anfangs- und ein Fälligkeitsdatum. Beide können schnell mit Hilfe eines Kalenders festgelegt werden. Vor allem das Anfangsdatum hilft beim konzentrierten Arbeiten, denn ich kann z.B. Aufgaben ausblenden, die noch nicht „angefangen“ haben.
  • Neben diesem Mechanismus kann ich manuell Aufgaben mit einer Markierung (flag) versehen und dann nur markierte Aufgaben zeigen. Diese zweite Sortiermöglichkeit bringt viel Flexibilität.
  • Jeder Aufgabe kann ich Links und/oder Adressbuchkontakte zuordnen. Links können z.B. Dateien sein, die ich per Drag & Drop aus dem Finder in iGTD ziehen kann, oder ich kann URLs nach iGTD kopieren bzw. per Hotkey direkt aus dem Browser zu iGTD schicken.
  • Eingaben in die Inbox und sogar in einzelne Projekte/Kontexte können extrem schnell mit Quicksilver gemacht werden.

Das ist zwar eine beeindruckende, doch keineswegs vollständige Liste der Funktionen von iGTD. Für mich ist das Programm binnen kürzester Zeit zum Dreh- und Angelpunkt meiner täglichen Arbeit geworden. Es ist leicht zu bedienen und passt sich durch seine vielfältigen Filter- und Sortiermöglichkeiten sehr gut dem individuellen Workflow des Benutzers an. Da es auch noch kostenlos ist, kann ich iGTD uneingeschränkt empfehlen.

P.S. Die OmniGroup hat vor wenigen Tagen ihr lang erwartetes GTD Programm OmniFocus für einen geschlossenen Beta-Test freigegeben. Die Qualität anderer Software von Omni (z.B. OmniWeb, OmniOutliner) ist sehr gut, so dass OmniFocus möglicherweise auch ein ernsthafter Konkurrent für iGTD wird. Allerdings wird OmniFocus nicht kostenlos sein.

Mittwoch, 16. Mai 2007

Dinge erledigt kriegen: GTD reduziert auf das Wesentliche

Jeder möchte seine Sachen erldigt kriegen. Doch allzu oft bleiben eben doch Dinge liegen, werden vergessen, besiegt das Chaos die Struktur. David Allen versucht mit seinem Buch und Konzept Getting Things Done (kurz: GTD) — wie viele andere vor ihm — das Chaos zurück zu drängen und strukturiertes Arbeiten zu fördern. Dazu hat er ein ausgefeiltes System entwickelt — und darin liegt das Problem…

Seit Jahren ist GTD der letzte Schrei wenn es um Produktivität geht. Ich habe die Blogs und Rezensionen immer mal wieder gesichtet, habe mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu kaufen, GTD auszuprobieren. Eines hat mich aber immer abgehalten: schon beim oberflächlichen Kontakt mit dem „System GTD“ konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass man jede Menge Zeit mit dem organisatorischen Rahmen verbringt: Sammeln, ordnen, nächste Handlungen finden, Durchsehen, Archivieren etc. Irgendwie schien mir das ziemlich viel „Getting Things“ und zu wenig „Done“. Das System scheint für viele Leute zu funktionieren, doch ich persönlich fand es zu schwerfällig.

Andererseits habe ich in den letzten Monaten eine Fülle zusätzlicher Aufgaben zu erledigen, die außerdem oft sehr langfristig angelegt und insgesamt sehr verschieden sind. Mein altes System (ein paar Backpack Seiten mit To-Do Listen), war dem nicht mehr angemessen.

Bei der Suche nach einem besseren System zur Organisation von Beruf und Alltag bin ich dann wieder mal bei GTD gelandet. Nur dass ich dieses Mal auf einige konkrete Aspekte daraus aufmerksam wurde, die ich zuvor übersehen hatte und die tatsächlich sehr nützlich sind. Ich habe mir nun diejenigen Aspekte von GTD rausgepickt, die sich ohne eine mehrmonatige Ausbildung anwenden lassen. Möglicherweise erkäre und verwende ich die Begriffe nicht richtig (wie gesagt: ich habe das Buch nicht gelesen). Es soll aber hier um eine pragmatische und nicht um eine dogmatische Auslegung von Getting Things Done gehen.

GTD essentials

Projekte und Kontexte: Ein Aspekt von GTD, der mir sofort einleuchtete, ist die Gliederung von Aufgaben nach zwei verschiedenen Kriterien: „Projekte“ und „Kontexte“. Jede Aufgabe lässt sich einem Projekt und einem Kontext zuordnen und daher auch auf zwei verschiedenen Wegen anpacken. Man kann sich die Sortierung wie eine Tabelle vorstellen, in der jede Spalte ein Kontext und jede Zeile ein Projekt ist.

Ein Beispiel: Ich möchte für den Biologieunterricht einen Versuch vorbereiten und brauche dafür den Unterrichstverlauf und die Materialien für das Experiment. Diese Aufgaben gehören beide zum Projekt „Unterricht“. Sie finden allerdings in verschiedenen Kontexten statt: den Unterrichtsverlauf plane ich zu Hause, die Materialien muss ich in der Schule zusammen suchen. Dementsprechend ordne ich beide Aufgaben dem Projekt „Unterricht“ zu, die Planung dem Kontext „zu Hause“ und die Materialsuche dem Kontext „Schule“.

Diese doppelte Sortierung ist insofern praktisch, als ich mir z.B. eine Liste machen kann mit allen Aufgaben, die ich in der Schule erledigen muss und auch nur dort erledigen kann. Diese Aufgaben sind gar nicht „auf meinem Schirm“, wenn ich zu Hause bin, denn dort kann ich sie ohnehin nicht erledigen.

Gleichzeitig kann ich im Projekt „Unterricht“ inhaltlich alles nacheinander planen, was zusammen gehört und kümmere mich erst im zweiten Schritt darum, welchem Kontext jede Aufgabe zuzuordnen ist. Wenn es dann ans Abarbeiten geht, schaue ich mir nur die Aufgaben an, die ich im aktuellen Kontext auch erledigen kann.

Inbox: Das Konzept der Inbox bedeutet, dass man Aufgaben zunächst zügig „aus dem Kopf“ bekommt, indem man sie in eine unsortierte „Ablageschale“ legt, die „Inbox“. Wenn mir also etwas einfällt, schreibe ich es gleich auf. Ich kümmere mich aber noch nicht darum, zu welchem Projekt oder Kontext die Aufgabe gehört. Sie ist für den Moment einfach festgehalten, ich muss micht nicht mehr darum sorgen und kann konzentriert an anderen Dingen arbeiten.

In kurzem Abständen schaue ich mit die Dinge in der Inbox an und ordne sie einem Projekt und einem Kontext zu. Dort reihen sie sich ein und warten geduldig darauf, erledigt zu werden.

Fazit

Diese beiden Aspekte von Getting Things Done reichen mir, um meine Aufgaben strukturiert und für mich befriedigend zu erledigen. Vor allem die Filterung nach Projekt und Kontext war für mich ein entscheidender Schritt. Viele weitere Aspekte von GTD („Next Actions“, wöchentliche Durchsicht etc.) fühlen sich für mich schon nach zu viel Overhead an, denn oft muss ich z.B. nicht explizit festlegen, was die nächste Handlung ist – das ergibt sich meist von selbst oder ist nicht wichtig.

Eine „Entdeckung“ hat allerdings noch erheblichen Anteil am strukturierten Arbeiten: ohne ein leistungsfähiges und anpassungsfähiges Programm würde mein persönliches „Essential-GTD“ System nicht funktionieren. Welche GTD-Programme es für den Mac gibt und welches ich benutze, folgt im nächsten Beitrag zum Thema.