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Patchwork Familien

GEO Titel 03/2005: Familie

Die aktuelle Ausgabe von GEO (03/2005) bringt einen schönen Artikel über das Phänomen “Patchwork Familie”. In guter GEO Tradition schließt er sich nicht dem gängigen Lamentieren über den Werteverfall an, sondern entwirft ein wohltuendes Gegenbild.

Er beschreibt die verschiedensten Patchworkfamilien, vom lesbischen Paar, das ein Kind adoptiert hat bis hin zur geschiedenen und einzeln wiederverheirateten Familie, in der sich die ehemaligen Partner noch regelmäßig treffen.

Insgesamt wird klar, dass der negativ besetzte Begriff der Patchwork Familie differenziert betrachtet werden muss. Viele Familien, die damit gebrandmarkt werden, funktionieren genauso gut oder schlecht wie “normale” Familien auch—mit Höhen, Tiefen, Konflikten, Geborgenheit und Liebe. Kindern aus solchen Familien geht es nicht von vorneherein schlechter als Kindern, die in einer klassischen Kernfamilie aufwachsen. Eines tritt als durchgehendes Muster zu Tage: die funktionierenden Konstellationen gehen offen mit ihrer Situation um und beziehen auch die Kinder in deren Bewältigung mit ein.

Eine erfrischende Sicht der Dinge, die einige überholte Klischees über den Haufen wirft.

Geschrieben am frühen Abend, 09. März 2005
Abgelegt unter Lesen & Fundsachen

1Peter schrieb am 7. Juni 2005, 15:43 h    # 

Das es auch ohne traditionelle Familienstrukturen ein gutes Umfeld zum Aufwachsen von Kindern geben kann ist sicherlich ein Punkt, der bei der allgemein schlechten Meinung über solche modernen Familien verloren zu gehen droht. Aber vergessen darf man dabei nicht, dass der Grund für die Trennung bei den Eltern meist das “Fehlverhalten” mindestens eines Partners ist. Und das ist doch sicherlich für Kinder kein positiver Einfluss.

2ak schrieb am 24. Juli 2005, 10:03 h    # 

Peter, ich gebe Dir Recht und ich würde selbst auch eine traditionelle Familienform befürworten. Allerdings habe ich beim Lesen des Artikels den Eindruck bekommen, dass mit dem Zerbrechen der “ersten” Familie noch nicht “alles verloren” ist—und das fand ich einen durchaus erwähnenswerten Punkt.

Natürlich bringt dieser Bruch Schäden für alle Beteiligten (vor allem für die Kinder). Der Artikel ist aber keinesfalls ein Lobgesang auf die Patchworkfamilie. Er zeigt lediglich ermutigende Beispiele, die aus der Krise heraus wieder eine vitale Familienform geschaffen haben.

3olivia kroth schrieb am 12. Januar 2007, 10:48 h    # 

Manche sogenannten “Erstfamilien” sind so dysfunktional – mit Gewalt, Missbrauch und sonstigem Terror – dass es für die Kinder eine Erlösung bedeutet, wenn diese Familie zerbricht.

Da ich selbst aus so einer Familie stamme, weiß ich, wovon ich rede.

Manchmal ist “patchwork” schön und heilsam.

Olivia Kroth