Patchwork Familien

Die aktuelle Ausgabe von GEO (03/2005) bringt einen schönen Artikel über das Phänomen “Patchwork Familie”. In guter GEO Tradition schließt er sich nicht dem gängigen Lamentieren über den Werteverfall an, sondern entwirft ein wohltuendes Gegenbild.
Er beschreibt die verschiedensten Patchworkfamilien, vom lesbischen Paar, das ein Kind adoptiert hat bis hin zur geschiedenen und einzeln wiederverheirateten Familie, in der sich die ehemaligen Partner noch regelmäßig treffen.
Insgesamt wird klar, dass der negativ besetzte Begriff der Patchwork Familie differenziert betrachtet werden muss. Viele Familien, die damit gebrandmarkt werden, funktionieren genauso gut oder schlecht wie “normale” Familien auch—mit Höhen, Tiefen, Konflikten, Geborgenheit und Liebe. Kindern aus solchen Familien geht es nicht von vorneherein schlechter als Kindern, die in einer klassischen Kernfamilie aufwachsen. Eines tritt als durchgehendes Muster zu Tage: die funktionierenden Konstellationen gehen offen mit ihrer Situation um und beziehen auch die Kinder in deren Bewältigung mit ein.
Eine erfrischende Sicht der Dinge, die einige überholte Klischees über den Haufen wirft.
Natürlich bringt dieser Bruch Schäden für alle Beteiligten (vor allem für die Kinder). Der Artikel ist aber keinesfalls ein Lobgesang auf die Patchworkfamilie. Er zeigt lediglich ermutigende Beispiele, die aus der Krise heraus wieder eine vitale Familienform geschaffen haben.
Manche sogenannten “Erstfamilien” sind so dysfunktional – mit Gewalt, Missbrauch und sonstigem Terror – dass es für die Kinder eine Erlösung bedeutet, wenn diese Familie zerbricht.
Da ich selbst aus so einer Familie stamme, weiß ich, wovon ich rede.
Manchmal ist “patchwork” schön und heilsam.
Olivia Kroth