Zeitreisen
Für mein Geographieexamen begebe ich mich zur Zeit auf ausgedehnte Zeitreisen in verschiedene Epochen der Landschaft, die uns umgibt. Es ist sehr reizvoll, sich vorzustellen, wie das, was wir heute Deutschland nennen, zu den jeweiligen Zeiten ausgesehen hat.
Wenn wir die Kleinigkeit von etwa 70 Mio. Jahren zurückgehen, gibt es hier im Süden keinen Schwarzwald, keine Vogesen, den dazwischen liegenden Oberrheingraben natürlich auch nicht. Die Schwäbische Alb existiert noch nicht und an die Alpen ist noch lange nicht zu denken. Stattdessen ist alles bedeckt von einem flachen, warmen Meer, an dessen Grund sich genau das ablagert, was wir heute in Form der Schwäbischen Alb und der Kalkalpen hoch über dem Meeresspiegel antreffen.
Aber auch weniger weit zurückreichende Zeitreisen sind sehr interessant. Erst vor 20.000 Jahren war das östliche Norddeutschland bis südlich von Berlin unter einem dicken Eispanzer verborgen. Ganz “Deutschland” war eine baumfreie Tundra, wie wir sie uns vielleicht in Teilen von Sibirien vorstellen. Die Ostsee gab es nocht nicht, denn dort lag ja kilometerdickes Eis. So wie wir sie heute kennen existiert die Ostsee ohnehin erst seit wenigen tausend Jahren, sie ist nicht viel älter als die äyptischen Pyramiden.
In den letzten 10.000 Jahren herrscht nun die sogennaten Nacheiszeit. Allerdings gab es schon während der 2 Mio. Jahre davor immer wieder warme Phasen, die so um die 10.000 bis 15.000 Jahre lang waren. Es weiß also keiner so genau, ob das Einszeitalter wirklich vorbei ist oder wir uns lediglich in einer “kurzfristigen” Warmzeit befinden.
Aus unserer lächerlich kurzsichtigen Perspektive beurteilen wir natürlich alles absolut, doch die globale Erwärmung, die Klimaschwankungen etc. könnten ebensogut Kapriolen des Klimas sein, wie es sie schon vielfach gegeben hat bevor die Gletscher dann wieder über die Ostsee kamen.
Ein interessant geschriebenes und allgemein verständliches Buch über die Landschaftsentwicklung seit der Eiszeit ist “Die Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa” von Hansjörg Küster.
Es beschreibt anschaulich und lebhaft, wie grundlegend sich die Landschaft um uns herum – die wir in der Regel ja als ziemlich fix und unveränderlich wahrnehmen – allein in den letzen paar tausend Jahren verändert hat.
Letzlich ist eine Zeitreise auch immer ein heilsamer Wechsel der Perspektive.