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Tags, tags, tags

Ordner gabs früher. Heute gibts Tags. Das ist meist eine gute Sache, kann aber auch ins Chaos führen. Aber fangen wir vorne an.

OrdnerWenn man Unterlagen oder Informationen mit Ordnern verwalten möchte, hat mein ein grundsätzliches Problem zu lösen: man muss sich bei jedem Stück Information entscheiden, in welchen Ordner es gehört, denn man kann es nur an einer Stelle ablegen. Wenn man etwas dann später wieder sucht, kann man nur darauf hoffen, dass das Hirn noch genauso tickt und denkt, wie beim Ablegen, denn nur dann wird man im richtigen Ordner suchen. Das ist natürlich nicht immer der Fall — die meisten Informationen oder Unterlagen sind nicht eindeutig zuzuordnen, sondern könnten in verschiedenen Ordnern landen.

Bei der Ablage in Papierform kann man dieses Problem nur lösen, indem man sich im Voraus ein möglichst durchdachtes und flexibles Ordnungsprinzip ausdenkt und sich dann konsequent daran hält.

Will man Ordnung auf dem Computer halten, gibt es glücklicherweise noch eine zweite gute Möglichkeit: Tags.

TagWörtlich übersetzt ist ein tag ein Anhängsel, ein Schildchen, auf dem z.B. der Preis eines Produktes drauf steht oder das den Besitzer eines Gepächstückes nennt. In der digitalen Welt sind Tags sogenannte Metadaten: Daten, die andere Daten beschreiben. Wenn ich eine Datei z.B. mit den Begriffen „steuer“ und „2007“ tagge, dann füge ich Metainformation zu dieser Datei hinzu, ich beschreibe die enthaltenen Daten, indem ich sage „Das gehört zum Thema ‚Steuer‘ und zum Thema ‚2007‘“.

Hier sieht man schon den grundlegenden Vorteil: in der Ordnermetapher hätte ich mich für den Ordner „Steuer“ oder den Ordner „2007“ entscheiden müssen (oder ich hätte einen Steuerordner 2007 angelegt, aber auch das wäre recht unflexibel).

Weil die meisten Objekte, die man im Alltag sortieren und wieder finden muss, zu mehreren Gruppen gleichzeitig gehören, sind Tags meines Erachtens besser für die Anforderungen der Daten- und Dokumentverwaltung geeignet.

Vorteil: keine starre Struktur, Nachteil: keine …

Tags haben noch einen Vorteil: sie sind nicht hierarchisch, sondern unstrukuriert, d.h. ich muss die Objekte nicht in ein festes Sortierschema zwängen, sondern gebe ihnen grob verschiedene Tags, die den Inhalt eines Objekts möglichst gut beschreiben. Allerdings haben Tags auch einen nicht unerheblichen Nachteil: sie sind nicht hierarchisch, sondern unstrukturiert — ja was denn nun?

Die Fehlen einer festen Datenstruktur birgt sowohl ein großes Potential als auch eine gewisse Problematik: die lose Beschreibung mit Metadaten und die anschließende Suche nach diesen Metadaten macht das Tagsystem sehr flexibel und einfach zu handhaben. Wenn man aber einfach wild drauf los taggt, kommen am Ende womöglich Metadaten raus, die bei der Suche oder Sortierung überhaupt nicht nützlich sind.

Ein Beispiel: meine ersten Erfahrungen mit Tags habe ich bei del.icio.us gemacht. Ich habe meinen Bookmarks munter alle möglichen Tags verpasst und später festgestellt, dass ich viele davon nur ein oder zwei Mal verwendet habe. Das macht natürlich keinen Sinn, denn so helfen mir die Metadaten nicht, meine Datensammlung zu strukturieren. So gut ich nach einem einzelnen Tag suche, kann ich auch nach dem Bookmark selbst suchen.

SmartFolderTags bringen nur dann etwas, wenn sie einen gewissen Schema folgen, so dass man — basierend auf den Tags — Daten gruppieren und ordnen kann. In verschiedenen Programmen und in Mac OS X findet sich dieses Prinzip in so genannten „Intelligenten Ordnern“ oder „SmartFolders“ wieder, die im Prinzip nichts anderes sind, als eine gespeicherte Suche nach bestimmten Kriterien der Metadaten. Wer iTunes benutzt, kennt das Prinzip als „Intelligente Wiedergabeliste“.

Tags auf der Festplatte

Inzwischen benutze ich Tags auch für meine Dateien, weil Spotlight (die eingebaute Suchfunktion von Mac OS X) auch die sogenannten „Kommentare“ von Dateien durchsucht, in denen man Tags ablegen kann. Damit mir aber nicht hunderte verschiedener Tags um die Ohren fliegen, habe ich versucht, die möglichen Tags in verschiedene Bereiche einzuteilen und diese dann im Kopf durch zu gehen, wenn ich eine Datei tagge. Diese Bereiche sind für mich:

  • Kontext (Schule oder Privat)
  • Zielgruppe (Lehrer, Schüler)
  • Fach (Englisch, Biologie, Erdkunde etc.)
  • Verwendung (Material, Arbeitsblatt, Information, Verwaltung etc.)
  • Jahrgangsstufe (05, 06, 07 etc.)
  • Inhalt (5-6 Tags, die den Inhalt möglichst gut beschreiben)
  • Quelle

Dieses Raster ist noch nicht wirklich ausgereift und bisher vor allem für Dateien im Kontext „Schule“ ausgelegt. Nicht jede Metadaten-Kategorie ist immer anwendbar oder nötig, aber beim Verschlagworten von Dateien versuche ich, diese Oberbegriffe durchzugehen, damit ich keine essentiellen Aspekte vergesse.

Das System ist noch zu jung, als dass ich Erfahrungen mit dem Wiederfinden hätte — bisher habe ich nur Daten „eingespeist“. Man darf also gespannt sein, ob das strukturierte „Entnehmen“ von Daten dann auch wirklich funktioniert :-).

Geschrieben nachmittags am 02. Juni 2007
Abgelegt unter Software & Gedanken

1Julian Schlotterbeck schrieb am 13. Juni 2007, 18:54 h    # 

Nice Artikel muss ich sagen.

Allerdings wie du schon gesagt hast, natürlich sind Tags auch unstrukturiert.

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Nun ja, da ich nicht mit Mac sondern mit MS Windows arbeite kann ich dazu nicht so viel sagen, da, soviel ich weiss, es diese Funktion nicht wirklich unter XP gibt.
Mit Vista ist es allerdings gekommen. Dieses Betriebssystem besitze ich zu diesem zeitpunkt allerdings noch nicht, also daher kann ich dazu auch nicht wirklich viel sagen.

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Trotzdem schöner Artikel weiter so.

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LG Julian Schlotterbeck

2Stephan schrieb am 30. Oktober 2007, 21:30 h    # 

Geht mir genauso wie Julian. Ich habe ansatzweise ein kleines Programm entdeckt, dass die Metainfos aus den Dateien auslesen kann und in einer Liste darstellt: xfriend. Ich bin allerdings noch nicht so ganz zufrieden und werde das Thema daher weiter im Auge behalten. Ich wäre froh, wenn jemand noch etwas zu dem Thema beitragen kann!

3A. Jendrysik schrieb am 26. Februar 2008, 19:09 h    # 

Interessanter Artikel.

Macht weiter so…

Gruß aus KS

4Henning K. schrieb am 13. März 2008, 09:15 h    # 

Hallo,
das Spotlight die Kommentare der Dateien durchsucht, wusste ich gar nicht. Ich habe schon länger nach einer „Tagsuchmaschine“ gesucht, aber zu dem Thema nicht viel Brauchbares gefunden.
Bei mir ist ein Ordner immer schön aufgeräumt, sobald ich aber ein paar weitere Dateien zu dem Thema habe, lege ich sie dort ab und alles wird wieder unübersichtlich, Tags helfen da enorm weiter.
Weißt du, ob es auch eine Tag Suchmaschine für Windows XP gibt?

Viele Grüße,
Henning