Webdesign

Designing Web Usability

Jakob Nielsen hat sich einen Namen gemacht als unerschrockener Kämpfer für wehrlose Internetuser. Jeder, der auf seiner Website keine blauen unterstrichenen Links einsetzt, kann sich auf einen Rüffel von Herrn Nielsen gefasst machen. Wer schon mal ein Flash-Intro erstellt oder sogar eingesetzt hat, ist vor der ewigen Verdammnis ohnehin nicht mehr zu retten.

Derart rigoros kommt bisweilen Nielsens Kritik user-unfreundlicher Praktiken daher. Und so wie diese Beschreibung Jakob Nielsens vielleicht ein wenig übertrieben ist, so scheinen auch viele seiner Analysen und Ratschläge bezüglich Usability-Optimierung prinzipiell beachtenswert, allerdings nicht in vollem Umfang anwendbar.

“Designing Web Usability” ist vollgepackt mit solchen Analysen und Ratschlägen. Es kann als Ideengeber und Wachrüttler hervorragende Dienste leisten, man sollte sich aber auch nicht zu sehr davon einschüchtern lassen.

Wer sollte das Buch lesen?

Nielsens Standardwerk richtet sich vor allem an eine professionelle Leserschaft. Wer beruflich oder zumindest im größeren Stil Websites erstellt, kann mit dem Buch wohl am meisten anfangen. Schon die Auswahl der analysierten Sites und die angeführten Beispiele deuten das an: es werdem fast durchweg die großen Firmen unter die Lupe genommen und Nielsens Verbesserungsvorschläge sind auch häufig an technische Voraussetzungen geknüpft, die man als Hobby-Webdesinger nicht zur Verfügung hat. Nichtsdestotrotz können auch nicht-professionelle Designer viel lernen. Nur muss man eben die nötigen Abstriche im Vergleich zu großen Sites selbst vornehmen.

Was steht drin und wie ist der Inhalt strukturiert?

Jakob Nielsen beginnt seine Ausführungen mit einem einleitenden Kapitel über Sinn und Zweck von Web Usability. Er erklärt seinen Ansatz der funktionsorientierten Seitengestaltung und analysiert, warum seiner Ansicht nach viele Websites falsch gestaltet werden.

Im folgenden arbeitet sich das Buch dann von der Gestaltung einzelner Seiten über die Contenterstel lung und deren Tücken zur Planung und Erstellung ganzer Sites vor. Dabei kommen sehr viele verschiedene Themen zur Sprache, z.B. die textliche und optische Gestaltung von Links, die Aufteilung der vorhandenen Bildschirmfläche, das Anbieten von Orientierungshilfen für den Nutzer etc. Nielsen erarbeitet jedes Thema anhand von Beispielen aus dem realen Netz, die er durch großflächige Screenshots einbindet. So kann der Leser immer nachvollziehen, welches Problem gerade wie angegangen wird.

Weitere Kapitel beschäftigen sich mit dem Design von Intranets, der Zugänglichkeit für behinderte Nutzer sowie mit internationalen Sites.

Wie ist der Schreibstil?

Nielsens Stil ist manchmal sehr missionarisch und predigend. Seine Analysen sind oft hart und kompromisslos genau wie seine Prognosen. Das nicht alles davon immer für bare Münze genommen werden kann (und sollte), hat sich in der Vergangenheit gezeigt. Man hat das Gefühl, dass Nielsen fortwährend bestrebt ist, sein Image als Usability Guru und rigoroser Verfechter der Nutzerinteressen zu pflegen auch wenn das auf Kosten der Praktikabilität seiner Vorschläge geht. Wiederum gilt: Nielsens Stachel ist gut, um auf Probleme aufmerksam zu werden. Das eigene Nachdenken in die angedeutete Richtung hilft einem dann aber meist auch schon weiter, ohne dass man an Herrn Nielsens Lippen klebt.

Wie ist die Aufmachung?

Das Buch ist gut ausgestattet mit vielen farbigen Screenshots. Typographie und Layout sind angenehm, die Serifenschrift des Fließtextes ist gut lesbar. Häufig sind Randbemerkungen und Kästen mit Checklisten eingestreut, was das Überfliegen der Kapitel auf der Suche nach bestimmten Informationen leichter macht.

Website zum Buch

Die Website zum Buch verweist auf zahlreiche Seiten, auf denen das Buch besprochen wird. Außerdem gibt es das Inhaltsverzeichnis zu besichtigen.

Fazit

“Designing Web Usabilty” ist eine wertvolle Ressource für alle, die ihre Websites in höherem Maße nutzerzentriert gestalten wollen. Es ruft dem Webdesigner in Erinnerung, dass die User in der Regel keine Ahnung von den technischen Aspekten haben und daher viele Prozesse anders gestaltet werden müssen, als wenn man sie für “Techies” (zu denen man als Webdesigner selbst oft gehört) angehen würde.

Allerdings wirken Nielsens Kritikpunkte und Ratschläge häufig überzogen. Wenn man eine Website grafisch ansprechend gestalten möchte oder für Kunden arbeitet, können Links nicht immer blau und unterstrichen sein. Nielsen legt all sein argumentatives Gewicht auf den Inhalt. Das ist zwar prinzipiell in Ordnung, weil auch die Nutzer zuallererst nach Inhalten suchen. Allerdings spielt bei heutigen Websites eben auch das Design eine entscheidende Rolle.

Ein Blick auf Nielsens eigene Site zeigt nämlich, dass es auch in die Hose gehen kann, sich ausschließlich auf die Inhalte zu konzentrieren, ohne einen Gedanken an die optische Gestaltung zu verschwenden. Useit.com ist zwar inhaltlich sehr lohnend, optisch aber so spartanisch und unausgewogen in der Farbwahl, dass man beim ersten Zusammentreffen schreiend aus dem Zimmer laufen möchte.

Inzwischen gab es sogar einen Wettbewerb, der Site ein nutzerfreundlicheres Äußeres zu verpassen.

Zuletzt geändert am 10.03.2005