Webdesign

Missing Links

„Über gutes Webdesign“ möchte Thomas Wirth schreiben und für manch einen Autor würde ein solch breit angelegtes Ziel das sichere Scheitern bedeuten. Nicht so für Wirth. Als promovierter Psychologe hat er die nötige Sachkenntnis, das Thema „Webdesign“ von einer unüblichen aber sehr lohnenden Perspektive her anzugehen.

Er behandelt eine Website als das, was sie aus Sicht des Nutzers ist – nämlich als ein Mittel der Kommunikation, das allen Regeln unterliegt, die für andere Formen der Kommunikation auch gelten. Diese sind der Psychologie seit längerem vertraut und können mit den nötigen Anpassungen auch das Webdesign verbessern. Thomas Wirth erklärt die Grundlagen und die Anpassungen. Ergebnis ist ein Buch, dessen Umfang und Informationsreichtum seinesgleichen suchen.

Wer sollte das Buch lesen?

In einem Wort: jeder, der sich auch nur im Entferntesten mit Webdesign beschäftigt. Selbst Nicht-Webdesigner können für die tägliche Kommunikation etwas lernen.

Da das Buch keine technischen Anleitungen gibt, ist es für Designer jedes Kenntnisstands geeignet. Man muss sich schon ausgiebig mit Psychologie beschäftigt haben, um nichts Neues daraus lernen zu können. Wer seine Seiten so gestalten will, dass sie für den Nutzer ein positives und flüssiges Erlebnis sind, sollte „Missing Links“ definitiv zur Hand nehmen.

Was steht drin und wie ist der Inhalt strukturiert?

Das Buch beginnt mit umfangreichen Ausführungen über das Wesen der Kommunikation und ihrer verschiedenen Facetten. Man lernt, auf verschiedene Kommunikationskanäle zu achten (z.B. verbale und nonverbale – von letzteren gibt es mehr als Sie denken). Weiter geht es mit dem Verhältnis zwischen sprachlicher und visueller Kommunikation. Dann werden in jeweils eigenen Kapiteln Wörter, Bilder und Animationen näher betrachtet.

Ein zweiter Teil des Buches beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Aufmerksamkeit und den daraus ableitbaren Konsequenzen für das Webdesign. Hier erfährt man viel Interessantes über die effektive Gestaltung von Bildschirmelementen, die Lenkung von Aufmerksamkeit auf Wichtiges und was man dabei so alles falsch machen kann.

Im dritten Teil geht es schließlich um Motivation und Handeln. Thomas Wirth führt aus, welche Motivationen es gibt und welche ein Surfer auf einer Website haben könnte. Wichtiger noch: welche Motivationen kann man mit dem Design der Seiten fördern und steuern. Wie werden Entscheidungen im Web getroffen? Welche Probleme haben Surfer zu lösen? Auch dazu hat das Buch viel zu sagen.

Alle Kapitel sind hervorragend strukturiert und listen jeweils am Anfang auf, was einen erwartet. Diese kurzen Ausblicke sind sogar noch witzig geschrieben, so dass man direkt mitten ins Getümmel lesen möchte.

Wie ist der Schreibstil?

Thomas Wirth versteht sich auf die Kunst, auf über 300 Seiten fundierte und teilweise komplexe Informationen so zu vermitteln, dass das Lesen nie auch nur eine Sekunde langweilig ist. Sein lockerer und witziger Stil machen das Weiterlesen zum Vergnügen und die gute Struktur des Buches sorgen dafür, dass man immer weiß, wohin es thematisch geht.

Wie ist die Aufmachung?

Das Buch ist gebunden, farbig ausgestattet und hat eine angenehme moderne Typographie. Das Layout ist aufgelockert und mit vielen farbigen Abbildungen versehen. Diese sind allerdings manchmal etwas klein geraten, so dass vor allem bei Screenshots nicht immer alle besprochenen Details klar sichtbar sind. Dieser kleine Mangel tut der Qualität des Buches aber keinen Abbruch.

Website zum Buch

Die Website zum Buch ist eigentlich gar keine, denn kommDesign.de gab es bereits lange vor „Missing Links“. Hier bietet Thomas Wirth umfangreiche Informationen zu den psychologischen Asp
ekten des Webdesigns, analysiert in kurzen und unterhaltsamen Satiren schlechte Beispiele von Websites, liefert knappe aber interessante Fakten und stellt sich und seine Arbeit kurz vor. Auch das lebhafte Forum vom kommDesign ist einen Besuch wert.

Fazit

„Missing Links“ ist ein Buch, das auf jeder Seite bereichernde und augenöffnende Informationen bereit hält. Es ist überaus fundiert geschrieben und recherchiert, liefert zu allen wichtigen Aussagen Belege aus der Forschung und wartet mit praktischen Anschauungsbeispielen aus der realen Netzwelt auf. Dabei ist es auch noch unterhaltsam geschrieben und zu keinem Zeitpunkt langweilig oder trocken.

Thomas Wirth hat sich auch die Mühe gemacht, für jedes schlechte Beispiel, das er vorstellt, eine verbesserte Version zu erstellen. Dadurch sieht man als Leser sofort, welchen Weg man selbst einschlagen kann, sollte man einmal vor ähnlichen Problemen stehen.

Ich halte dieses Buch für eine Pflichtlektüre für jeden Webdesigner.

Zuletzt geändert am 27.12.2007