Webdesign

Information Architecture

Jede Website hat eine Informationsarchitektur (IA). Genauso wie jedes Haus eine Architektur hat, das kommt ganz von alleine beim Erstellen bzw. Bauen. Christina Wodtkes anschauliches und kurzweiliges Buch möchte dem IA-Anfänger die nötigen Kenntnisse und Hilfsmittel an die Hand geben, um aus irgendeiner Informationsarchitektur eine durchdachte und sinnvolle zu machen.

Wer sollte das Buch lesen?

Eingefleischte “Architekten” werden in dem Buch sicherlich nichts Neues finden. Der relativ geringe Umfang von 350 Seiten deutet schon an, dass sich das Buch eher an Einsteiger richtet, die sich bisher noch nicht mit IA beschäftigt haben. Wodtke wendet sich auch ausdrücklich an den Allround-Webmaster, der Designer, Contentschreiber, Informationsarchitekt, Usability-Experte ist – oder sein muss, weil das Team klein ist oder man alleine arbeitet. Für diese Zielgruppe ist das Buch sehr nützlich und lehrreich. Man bekommt einen guten Einblick in die Arbeitsmethoden der IA und schnappt viele Anregungen dazu auf, wie man sich bei künftigen Projekte schon in der Planungsphase die richtigen Fragen stellt.

Was steht drin und wie ist der Inhalt strukturiert?

Am Anfang von “Information Architecture – Blueprints for the Web” erklärt Christina Wodtke ihre Abneigung gegen Gurus und unflexible Regeln. Statt einer Aufstellung von IA-Geboten versucht sie, dem Leser eine Kiste mit Handwerszeug zu vermitteln, die man flexibel einsetzen und an jedes neue Projekt anpassen kann. Dabei formuliert sie durchaus übergreifende Prinzipien, nur eben keine “Du-sollst-nicht-Regeln”.

Die nächsten Kapitel beschäftigen sich dann mit der Umsetzung der eingangs vorgestellten Prinzipien. So werden Möglichkeiten vorgestellt, wie man von den angestrebten Benutzern der Site wertvolle Informationen erhalten kann, außerdem macht sich Christina Wodtke Gedanken darüber, welche Arten der Organisation von Inhalten es gibt.

Des weiteren lernt man, wie die Gestaltung einer Site sich an den “Wegen” orientieren kann, auf denen die Nutzer sich bewegen und schließlich ist ein ausführliches Kapitel dem Interfacedesign gewidmet.

Die Methoden kommen ebenfalls nicht zu kurz. Die letzen Kapitel sind noch stärker praxisorientiert. Es werden darin verschiedene Arbeitsweisen und Desingtechniken näher erörtert sowie das Praxisbeispiel einer bestehenden Site durchexerziert. Letzteres ist besonders interessant, weil es sich dabei um das Digital-Web Magazin handelt, dessen Redesign vom Mai 2004 Christina Wodtke als Information Architect geleitet hat. So kann man also den Redesignprozess einer Site verfolgen, die man möglicherweise im Ausgangszustand kannte und deren Endzustand man nun im Web ansehen kann. Sehr aufschlussreich.

Wie ist der Schreibstil?

Wodtke schreibt locker und anschaulich. Sie predigt nicht von der Guru-Kanzel sondern ist bemüht, dem Leser die richtigen Fragestellungen klarzumachen. Man kann das Buch problemlos von vorn bis hinten durchlesen, ohne sich zu langweilen oder sich bescheuert vorzukommen .

Wie ist die Aufmachung?

Layout und Typographie sind, wie bei New Riders üblich, modern und ansprechend. Die serifenlose Schrift ist zwar nicht Jedermanns Sache, aber auch kein wirkliches Problem.

Screenshots und andere Abbildungen sind leider nur in Graustufen abgedruckt, was natürlich nicht ideal ist. Die Qualität ist aber trotzdem gut genug, dass man alles Wichtige erkennen kann. Das Buch hat einen ausführlichen Index und einen nützlichen Anhang mit weiterführender Literatur.
Website zum Buch

Die Website zum Buch enthält ein Schnupperkapitel und einige Informationen über die Autorin. Außerdem hat Christina Wodtke eine eigene Website mit Blog über Information Architecture und ist Gründerin des sehr nützlichen Online-Magazins Boxes and Arrows.

Fazit

“Information Architecture – Blueprints for the Web” ist ein nützliches und kurzweiliges Buch für angehendes Informationsarchitekten und all die Webworker, die die Bedeutung einer guten inhaltlichen Struktur erkannt haben. Man ist nach der Lektüre des Buches in der Lage, die Probleme einer Site besser zu verstehen und hat das Handwerkszeug zur Verfügung, Lösungsansätze zu finden. Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, finfdet im Anhang einige gute Hinweise auf entsprechende Bücher und Websites.

Zuletzt geändert am 10.03.2005