Webdesign

Designing With Web Standards

Jeff Zeldman ist wohl einer der präsentesten Verfechter von standards-basiertem Webdesign. Als Mitbegründer des Webstandards Project, als prägender Kopf hinter A List Apart und auf seiner persönlichen Website argumentiert und erklärt er schon lange die Vorteile der standards-basierten Desingphilosophie. Sein gesammeltes Wissen und seine Überzeugungskraft hat Zeldman nun in diesem Buch zusammengefasst.

Das Buch hätte zwar etwas kürzer und prägnanter geschrieben werden können, ist aber jedem Webdesigner zu empfehlen, der sich über die Hintergründe, Techniken und Praxisanwendungen modernen Webdesigns informieren möchte — und das sollte im Grunde jeder sein.

Wer sollte das Buch lesen?

Zeldman spricht vor allem professionelle Webdesigner an, die von der hergebrachten Methode der verschachtelten Tabellen und der Spacer-Gifs auf valides (X)HTML und CSS umsteigen möchten. Aber auch jeder andere Webdesigner kann von Zeldmans Ausführungen profitieren.

Der Mann ist extrem bewandert und hat mit vielen kompetenten Leuten zusammengearbeitet. Was er zu erzählen hat, kommt in der Regel von der vordersten Front der Webentwicklung und umfasst viele Ideen, die zur gängigen Praxis geworden sind oder gerade dazu werden.

Was steht drin und wie ist der Inhalt strukturiert?

Das Buch widmet sich im ersten Teil (immerhin etwa 150 Seiten) den Gründen für einen Umstieg auf Webstandards. Diese Kapitel sollen im Grunde dem profesionellen Webdesigner Argumente an die Hand geben, mit denen er seine Kunden oder seinen Chef davon überzeugen kann, warum eine Website nach der „neuen Art“ erstellt werden sollte.

Im zweiten Teil tritt dann die Praxis mehr in den Vordergrund. Zeldman erklärt, wie strukturelles Markup aussieht, welche Rolle XHTML dabei spielt und welche Vorteile daraus erwachsen. Natürlich wird das ganze dann auch in die Tat umgesetzt und anhand eines Webprojekts vorgeführt.

Weiterhin erklärt Zeldman die Basics von CSS und wendet diese auf die Beispielsite an. DOCTYPE-Switching, Box-Model-Bugs und Lösungen dafür kommen ebenso zur Sprache wie Probleme der Browser mit Schriftgrößen und wie man sie am besten umgeht. Schließlich wird auch die Zugänglichkeit von Sites für behinderte Nutzer (accessibility) in ihren Grundzügen erklärt und das Document Object Model (DOM) vorgestellt.

Im letzen Kapitel führt Zeldman alles zusammen und vollzieht die Erstellung eines komplett tabellenfreien Layouts anhand des Beispiels seiner persönlichen Website nach.

Wie ist der Schreibstil?

Zeldman scheint ein ziemlich lockerer Zeitgenosse zu sein. Das ganze Buch strotzt nur so vor flapsigen Formulierungen und witzigen Randbemerkungen. Das ist einerseits ganz nett, kann einem aber mit der Zeit etwas auf die Nerven gehen. Viele Absätze hätten knapper und klarer geschrieben werden können. öfter hat man das Gefühl, dass dieses oder jenes Thema zum wiederholten Mal besprochen wird.

Insgesamt ist das Lesen aber dennoch angenehm und informativ. Bezüge auf Zeldmans persönliche Erfahrungen und auf die bekannten Namen in seinem Umfeld sorgen für viele interessante Einsichten.

Wie ist die Aufmachung?

Das Buch ist leider nur schwarz-weiß gedruckt, was der Darstellung der Screenshots mitunter deutlich schadet. Einige Details (z.B. farbliche Effekte), auf die im Text Bezug genommen wird, sind auf den Screenshots nicht zu erkennen.

Was negativ auffällt, sind die Querverweise auf andere Kapitel: es werden nämlich immer die kompletten (und recht langen) Titel der Kapitel angegeben, so dass der Lesefluss durch solche Verweise deutlich ins Stocken gerät.

Schrift und Layout sind zwar eher schlicht, aber *übersichtlich und
gut lesbar*.

Website zum Buch

Auf zeldman.com berichtet Jeffrey Zeldman praktisch täglich über Webdesignthemen.

Die eigentliche Website zum Buch enthält lediglich einige Kapitel und das Inhaltsverzeichnis zum Reinschnuppern als PDF. Außerdem eine Seite mit Druckfehlern und eine Zusammenstellung von Meinungen zum Buch.

Fazit

„Designing With Web Standards“ ist ein Gewinn für jeden Webdesigner. Die Vielfalt der angesprochenen Teilbereiche und die fundierten Informationen machen am Ende jedes Kapitels Lust auf mehr und vor allem auf Praxisanwendung. Zwar wird für Leser, die sich bereits mit Webstandards auseinandergesetzt haben, vieles nicht neu sein. Doch die Themen einmal in einer runden Abhandlung durchzuarbeiten, bringt definitiv neue Einsichten.

Die ausführliche Darstellung der Probleme von traditionellen Methoden und der Vorteile von Webstandards sind wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Wer gerne näher an der Praxis lernt und sich nicht um Hintergründe schert, wird den ersten Teil wohl überspringen wollen.

Ich habe das Buch in wenigen Tagen von vorne bis hinten durchgelesen und fand es sehr bereichernd. Die oben erwähnten Schwachstellen fielen dabei nur wenig ins Gewicht. Was dieses Buch ausmacht, sind die Kompetenz und Erfahrung von Zeldman, von denen man auf jeder einzelnen Buchseite profitieren kann.

Zuletzt geändert am 27.12.2007